Forschungs- und Sammlungsprojekte

Medienamateure in der homosexuellen Kultur

Das am Lehrstuhl für Mediengeschichte der Universität Siegen durchgeführte und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt untersucht „Fotografische Selbstdarstellungen von Männern im 20. und 21. Jahrhundert“. Ausgangspunkt der kulturhistorischen Untersuchung sind Amateurfotografien aus der männlichen homosexuellen Kultur ab 1900, Schlusspunkt die visuelle Selbstinszenierungen in den Social Networks der Internetmedien.

In der dazu erschienenen Publikation „privat/öffentlich. Mediale Selbstentwürfe von Homosexualität“ untersucht die Mitherausgeberin Katrin Köppert in ihrem Aufsatz „Scrap-Book of Tears. Entwürfe des Selbst im (Zeit-)Gefüge von Schmerz und Hoffnung“ das visuelle Notiz- und Tagebuch des 1994 an Aids verstorbenen Stephan D. Michaels als mediale und ästhetische Strategie der Selbstent- und Selbstverwerfung.

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Modell-Projekt Aids-Archiv

Mit dem bislang europaweit einmaligen Modellprojekt Aids-Archiv hat sich die Humboldt-Universität Berlin den Aufbau einer Sammlung zur Kulturgeschichte von HIV/Aids zum  Ziel gesetzt. Zu diesem Zweck ergänzt sie die Bestände im Haeberle-Hirschfeld-Archiv zur Aids-Politik durch eine komplementäre Auswahl von Vor- und Nachlässen. Ziel ist der schrittweise Aufbau eines exemplarischen Sammlungsbestandes, um ihn für die künftige Forschung zu sichern. In Anbetracht großer Lücken zu diesem Thema in den Archiven, Bibliotheken und Sammlungen stellt die Sicherung von Beständen zur kulturpolitischen Geschichte von HIV/Aids und deren Erforschung eine zentrale Aufgabe dar. Bei der Erweiterung geht es um die Sicherung jener Spuren, die das Leben mit HIV und Aids nicht nur bei homosexuellen Männern in den vergangenen Jahrzehnten hinterlassen hat. Zu diesem Zweck ist es wichtig, die entstandenen neuen Formen der Selbstorganisation, des Empowerment und der politischen Intervention in ihrer Vielfalt zu dokumentieren. Im Mittelpunkt stehen private und institutionelle Materialien, anhand derer sich die persönlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit HIV/Aids exemplarisch darstellen lassen.

Die Forschungsstelle arbeitet zur Umsetzung dieses Vorhabens mit Corinna Gekeler und Axel Schock vom Arbeitskreis Aids-Geschichte ins Museum zusammen. Das Projekt wird von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld finanziell gefördert.

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Aids History Project

Die Bibliothek der University of California San Francisco beherbergt eine seit 1987 aufgebaute Sammlung zur Geschichte von HIV und Aids, die im Laufe der Jahrzehnte um rund 20 Stiftungen von Privatpersonen wie auch durch Aids-Projekte ergänzt wurde. Hinzu kommt ein umfangreiches Archiv mit Audio- und Filmaufnahmen.

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Aids-Krise und Selbstregulierung: Die Formierung der Aids-Bewegung in den 1980er und 1990er Jahren in Deutschland

Das am Institut für Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin angesiedelte Forschungsvorhaben soll die Geschichte des Aids-Aktivismus in Deutschland nachzeichnen, und zwar mit speziellem Blick auf die Alltagsroutinen, den emotionalen Habitus, die Selbstregulierung und die sozialen Netzwerke der von der Aids-Krise unmittelbar betroffenen Menschen. Mittels narrativer biographischer Interviews mit Zeitzeug_innen der 1980er und 1990er Jahre sowie der Analyse von Selbstzeugnissen und anderen Dokumenten aus Bewegungs- und anderen Archiven sollen die Krisenerfahrungen und die Bewältigungsstrategien bzw. Praktiken im Umgang mit Aids, vom politischen Aktivismus über Selbsthilfe und kulturell-künstlerische Projekte bis hin zur Trauerkultur, rekonstruiert werden. Auf diese Weise sollen alltags- bzw. praxistheoretische sowie geschlechtertheoretische Einsichten in gesellschaftliche Prozesse der De- und Restabilisierung gewonnen werden. Das zunächst auf ein Jahr geförderte Projekt wird im Januar 2015 starten.

 

Kommunikation und (Nicht-)Wissen über HIV/AIDS

Eine diskurslinguistische Untersuchung der sprachlichen Konzeptualisierung von HIV/AIDS  von Daniel Knuchel (daniel.knuchel@ds.uzh.ch) am Deutschen Seminar der Universität Zürich. Die Konsequenzen einer Infektion mit dem HI-Virus haben sich seit dessen Entdeckung grundlegend verändert: von einer Infektion mit tödlichem Ausgang zu einer chronischen Erkrankung. Ab Mitte der 90er Jahre wird auch von einer ‚Normalisierung’ gesprochen, wobei diese Phase des „neuen Aids“ durch erfolgreiche Therapierbarkeit und also Folge davon durch sexuelle Nichtinfektiösität gekennzeichnet ist. Diese Erkenntnis der Nichtinfektiösität ist bisher aber nur am Rande ins kollektive Wissen über HIV/AIDS übergegangen und ganz allgemein scheint HIV/AIDS an Brisanz verloren zu haben. Auch die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung fokussiert die 80er und 90er Jahre und Untersuchungen zur Phase der Normalisierung sind selten. Diesem Desiderat nimmt sich das hier vorgestellte Projekt an. Es untersucht die sprachlichen Konzeptualisierungen der Infektion über den gesamten Zeitraum (1983-2014) mit einem Schwerpunkt auf der Phase der ‚Normalisierung’ und unter Einbezug neuster medizinischer Erkenntnisse. Theoretisch-methodische Referenzfelder bilden dabei eine deskriptiv-orientierte Diskurslinguistik und eine kulturanalytisch interessierte Korpuspragmatik. Grundlage der qualitativen und quantiativen Analysen bilden einersiets ein diachrones Korpus (I) mit unterschiedliche Pressetexte (Leitmedien und Medien mit dem Zielpublikum MSM) für den gesamten Zeitraum 1983 bis 2014 und andererseits ein synchrones Korpus (II) mit Texten aus unterschiedlichen medialen Umgebungen (Presse, Präventionsmaterial, Internetforen), die sich mit der Nichtinfektiösität auseinandersetzen.