Publikationen

"Projektionen auf die Krise"

In seiner 2014 erstmals gezeigten Video-Installation und in dem begleitend erschienen Band "Projektion auf die Krise (Gauweilereien in München)" gewährt der 1989 geborene Künstler Philip Gufler die Betrachter_innen einen kaleidoskopartigen Rückblick auf die Anfänge der Aids-Krise in der bayrischen Landeshauptstadt. Ausgangsmaterial für dieses dokumentarische Doppelprojekt sind Sammlungsstücke und Dokumente aus dem Archiv Forum Homosexualität München e.V.  Die Installation ist, zusammen mit Guflers "Quilts", einer Hommage an an Aids verstorbene Künstler, bis 3. September im Schwulen* Museum Berlin zu sehen.

Philip Gufler: "Projektionen auf die Krise." Hammannn & Von Mier, München 2014, 72 S., 14 Euro

 

„Positive Pictures: A Gay History“

Der großformatige Bildband „Positive Pictures“ lässt die wichtigsten Kämpfe, Ereignisse und ihre Protagonisten aus drei Jahrzehnten Aids-Geschichte aus schwuler Sicht Revue passieren. Christian Lütjens und Paul Schulz, Redakteure des schwulen Monatsmagazins „Männer“, haben dieses besondere Coffeetable-Book zusammengestellt. Es ist die Geschichte von HIV und Aids aus schwuler Perspektive, eindrücklich erzählt anhand von rund 200 Abbildungen: mit Porträtfotos und dokumentarischen Bildern ebenso wie mit Zeitschriftencover und Safer-Sex-Plakaten. Im gleichen Maße wird auch die künstlerische Auseinandersetzung mit der Krankheit gewürdigt. „Kunst über Aids hat Aids sichtbarer gemacht“, schreibt Jonathan Katz in seinem Gastbeitrag. Bilder der Fotografen Robert Mapplethorpe und Nan Goldin, Arbeiten von Keith Haring sowie der Künstlergruppe General Idea sind zu Ikonen der Aidskultur geworden und haben sich selbst jenen ins Gedächtnis gebrannt, die sich mit Kunst eher weniger beschäftigen.

Christian Lütjens/ Paul Schulz: „Positive Pictures: A Gay History“, Bruno Gmünder Verlag, Berlin 2013. (dt./engl.)

 

„Aids in Literatur, Theater und Film: Zur kulturellen Dramaturgie eines Störfalls“

In ihrer Studie zeichnet die Schweizer Theaterwissenschaftlerin Beate Schappach die Entwicklung des Aids-Diskurses im deutschsprachigen Raum von den Anfängen in den 1980er Jahren bis zur Gegenwart nach. In der Rückschau werden die dominanten Strömungen und Gegenströmungen charakterisiert und die entscheidenden Drehpunkte des Diskurses akzentuiert. Besonderes Augenmerk gilt dem Beitrag von Literatur, Theater und Film zur gesellschaftlichen Verarbeitung von Aids. Die systematische Analyse macht die komplexen Wechselverhältnisse zwischen den Massenmedien, den fiktionalen Gattungen sowie dem medizinischen Diskurs zu HIV und Aids sichtbar.

Beate Schappach: „Aids in Literatur, Theater und Film: Zur kulturellen Dramaturgie eines Störfalls“, Chronos Verlag Zürich 2012

 

„LOVE AIDS RIOT SEX“

Das dreiteilige Ausstellungsprojekt zu Kunst, Aids und Aktivismus in der neuen Gesellschaft für bildende Kunst Berlin (nGbK) endete im Januar 2014.
Während sich der erste Teil auf die Jahre von 1987 bis 1995 konzentrierte, eine Zeit größter Verzweiflung und massiver Entrüstung in der Aids-Krise, widmete sich der zweite den künstlerischen Arbeiten von 1995 bis heute. Die Teilung ermöglichte es, historische Ansätze und die heutige zeitgenössische Wahrnehmung voneinander zu trennen. Es lässt Gegenüberstellungen zu und ergründet, was dem damaligen agitatorischen Schritt in die Öffentlichkeit aktuell entgegnet wird ­– in einer Zeit, in der Aids wieder zum Nicht-Thema wurde. In einem dritten Teil waren Arbeiten von Studierenden der Universität der Künste Berlin, der Muthesius Kunsthochschule Kiel und der University of Arts in Poznań zu sehen, die sich mit den Begriffen Liebe, Aids, Aktivismus und Sexualität auseinandersetzen.

Zum Gesamtprojekt erschien der Katalog „LOVE AIDS RIOT SEX“ (dt./engl.) mit Bildstrecken zu den präsentierten Werken, erläuternden Informationen zu den einzelnen Arbeiten und weiterführende Texte zu Aids, Kunst, Aufklärung und sozialer Bewegung, u. a. von Martin Dannecker, Axel Schock, Detlev Pusch, Rainer Hoffmann, Michael Richter und der Künstlergruppe Gran Fury.

 "LOVE AIDS RIOT SEX". 112 S., 20 Euro, nGbK, Berlin 2014

Mehr Informationen

Rebels Rebel: AIDS, Art and Activism in New York, 1979-1989

Rebels Rebel looks at the history of AIDS activism undertaken by various artistic collectives in New York between 1979 and 1989. Among these once-controversial, now-legendary collectives were Gran Fury (who scandalized the 1990 Venice Biennale with their billboards juxtaposing the pope and his anti-contraception stance with a two-foot high penis), the Silence = Death Project (who appropriated and inverted the Nazis' pink triangle), Gang and DIVA TV. These collectives addressed concrete social problems using unconventional media, and in doing so helped to shift the public and political perception of the AIDS crisis. Collating a wealth of materials and perspectives, from graphic design to art works, and from sociopolitical to art-historical reflections, Rebel Rebels is an important and thorough examination of a rare overlap between art and activism during a time of heightened conservativism in America. It includes a full-color poster.

Tommaso Speretta: "Rebels Rebel: AIDS, Art and Activism in New York, 1979-1989", Afterword by Loring McAlpin, 264 p., Asamer Ghent 2014. Ca. 28 Euro.